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    „Oberösterreichische Volkskulturkrippe“ beim Fest der Volkskultur präsentiert

    Fest der Volkskultur Assmann KrippeEin besonderer Blickfang beim Fest der Volkskultur 2026 in Bad Zell war die sogenannte „Karl-Gruber-Krippe“, auch bekannt als „Oberösterreichische Volkskulturkrippe“. Die von Prof. Dr. Dietmar Assmann dem Landesverband der OÖ Krippenfreunde zur Verfügung gestellte Krippe wurde im Rahmen der gemeinsamen Krippenausstellung des Eidenberger Vereins d’Mühlviertler Krippler und der Linzer Krippenfreunde in der Musikschule Bad Zell präsentiert.



    Anlässlich des fünfjährigen Bestehens des Dachverbandes OÖ Forum Volkskultur im Jahr 1997 gaben dessen Mitgliedsverbände eine eigens angefertigte Krippe als Geschenk für ihren Gründungsvater und Obmann, dem Kulturwissenschaftler Prof. Dr. Dietmar Assmann, in Auftrag (verstarb am 12. Dezember 2025). Die Krippe steht damit nicht nur für die jahrhunderte alte Tradition der Weihnachtskrippen, sondern auch für die Geschichte und das gemeinsame Wirken der oberösterreichischen Volkskulturverbände.

    Die Besonderheit – Volkskultur in der Krippe. Karl Gruber schnitzte die Krippe so, dass in ihr alle oberösterreichischen Volkskulturverbände symbolisch dargestellt sind. Es handelt sich also nicht nur um eine klassische Weihnachtskrippe, sondern um ein maßgeschneidertes Abbild der regionalen Kultur und Identität.


    Karl Gruber Krippe 03

    Karl Gruber Krippe 02

     

     

     

     

    Krippenbeschreibung:

    Die Assmannkrippe – in Fachkreisen auch als „Oberösterreichische Volkskulturkrippe“ bezeichnet – stellt ein außergewöhnliches Dokument regionaler Identität und Handwerkskunst dar. Sie vereint das theologische Weihnachtsgeschehen auf einzigartige Weise mit der institutionalisierten Brauchtumspflege des Bundeslandes.

    Die Entstehung

    Im Jahr 1992 wurde der Dachverband, das OÖ Forum Volkskultur, als übergeordnete Arbeitsgemeinschaft der volkskulturellen Verbände in Oberösterreich ins Leben gerufen. Als prägender Gründungsvater und strategischer Kopf hinter dieser Initiative galt der renommierte Kulturwissenschaftler und Volkskundler Prof. Dr. Dietmar Assmann.

    Um sein jahrelanges Engagement und sein Wirken für die heimische Identität zu würdigen, gaben die Mitgliedsverbände zum fünfjährigen Bestehen des Dachverbandes im Jahr 1997 ein besonderes Geschenk in Auftrag: eine maßgefertigte, symbolträchtige Weihnachtskrippe, die fortan den Namen ihres Empfängers tragen sollte – die Assmannkrippe.

    Mit der Umsetzung betraute man keinen Geringeren als den legendären Innviertler Holzbildhauer und Volkskünstler, den „Herrgottschnitzer“ Karl Gruber (1922–2018) aus Wöging bei Hohenzell.

    Karl Gruber und seine Schnitzkunst

    Gruber, der sich zeitlebens stark von der bäuerlichen Umwelt prägen ließ, galt als Meister einer schlichten, ausdrucksstarken und zutiefst volkstümlichen Schnitzkunst. Er fertigte seine Figuren bevorzugt aus klassischem Lindenholz.
    Ein wesentliches Merkmal seiner Werkstatt war die enge Zusammenarbeit mit seiner Ehefrau Rosa Gruber. Während Karl die rohen Figuren mit dem Schnitzmesser zum Leben erweckte, übernahm Rosa die feine farbliche Gestaltung. Sie nutzte dafür eine spezielle, transparente Lasurtechnik, die die natürliche Maserung und die Schnittführung des Holzes bewusst sichtbar hielt.

    Aufbau und Gestaltung der Krippe

    Das Kunstwerk wurde als kompakte Truhenkrippe konzipiert. Mit den Maßen von 61 cm Breite, 36 cm Tiefe und 41 cm Höhe ist sie als bewegliches, in sich geschlossenes Schaustück gestaltet.

    Das Besondere und Kunsthistorische an dieser Krippe ist die Verschmelzung von sakraler Darstellung und regionaler Vereinssymbolik. Die Verbände wurden von Gruber, der dafür bekannt war, humorvolle und unorthodoxe Details in seine Arbeiten einzuweben, als Figuren dargestellt.

    Er stellte die damaligen 24 Mitgliedsverbände des Forums der Volkskultur jeweils als individuelle Figuren dar. Jede Figur und jede Abordnung an der Krippe repräsentiert symbolisch einen Bereich des organisierten Brauchtums, wie etwa die Heimat- und Trachtenvereine, die Goldhaubengruppen, die Volksliedwerke oder die Blasmusikverbände.

    Das prominenteste Detail dieses Werkes betrifft die Gottesmutter. Anstelle des klassischen orientalischen Schleiers trägt die geschnitzte Maria eine traditionelle oberösterreichische Goldhaube.
    Damit holte Gruber das Heilsgeschehen der Weihnacht in die oberösterreichische Heimat und setzte den Trachtenbäuerinnen des Landes ein bleibendes Denkmal.

    • Zunächst kann der Truhendeckel hochgeklappt werden, auf dem innen eine hügelige Landschaft aufgemalt ist, in etwa wie man von Hohenzell aus den südlich liegenden Hausruck (OÖ) sieht. Anschließend klappt man die Vorderseite der Truhe auf und die Krippe breitet sich vor einem aus. Die ca. 15 cm hohen geschnitzten und färbig behandelten Figuren stellen verschiedene Mitgliedsverbände des OÖ. Forum Volkskultur dar.
    • Die Gottesmutter Maria mit der Goldhaube für die oberösterreichischen Goldhauben-, Kopftuch- und Hutgruppen und der Hl. Josef in heimatlicher Tracht für die Heimat- und Trachtenverbände. Die Geburtsszene findet vor einem alten Bauernhof statt, der für den Verband er oö. Freilichtmuseen steht.
    • Am Dach jubilieren zwei Engel mit einem Notenblatt, der eine für den OÖ.- Salzbg. Sängerbund, der andere für den Arbeitersängerbund, beide zusammen vertreten wohl auch das Ö. Volksliederwerk.
    • Vor dem göttlichen Kind kniet ein junger Hirte als Vertreter der Landjugend, von rechts bringt eine junge Frau – OÖ. Heimatwerk- eilends einige Gaben herbei.
      Ganz dezent versucht ein Vertreter der Amateurfotografenverbände das heilige Geschehen aufs Bild zu bannen.
    • Im Vordergrund salutiert der Abgeordnete der Bürgergarde, neben ihm macht je einen Vertreter des OÖ. Pranger- Schützenverbandes und des OÖ. Blasmusikverbandes dem göttlichen Kind ihre Reverenz.
    • Für die Freunde der Volkskunst befindet sich in einem Kapellenbildstock links am Rande die Figur des Hl. Florian für den Arbeitskreis der Klein- und Flurdenkmalforscher, zudem im Hintergrund ein schöner typischer Bildstock. Davor steht ein Schauspieler, der einem jungen Eleven seine Maske vorhält, sie vertreten den Landesverband Theater und Spiel (Amateurtheaterverband).
    • Der Stelzhamerbund – Freunde der oberösterreichischen Mundartdichtung – ist mit einem Wegweiser zum „Mundartstüberl“ des bedeutendsten oberösterreichischen Mundartdichters Franz Stelzhamer vertreten.

    Ein volkskundliches Unikat

    Die Assmannkrippe ist weit mehr als eine private Weihnachtskrippe. Sie gilt als volkskundliches Unikat und wird regelmäßig bei großen Weihnachtsausstellungen – beispielsweise im Museum Innviertler Volkskundehaus in Ried im Innkreis oder beim Fest der Volkskutur bei der gemeinsamen Krippenausstellung der Mühlviertler Krippler und der Linzer Krippenfreunden als Beispiel für die lebendige Weiterentwicklung der oberösterreichischen Krippentradition im ausgehenden 20. Jahrhundert präsentiert.